Mit Geistern auf Reisen – Laos (2/2)

Auf Anleger wartet man jenseits der großen Städte vergeblich. Zum Festmachen schlagen zwei Matrosen am Abend lange Eisen in den glitzernden Sand. Manche Gäste erfrischen sich im warmen Abendlicht noch schnell mit einem Bad im Fluss. Sobald es dunkel wird, fällt die Temperatur. Doch die Crew weiß Rat: Beim Barbecue auf der Sandbank spendet ein Feuer Wärme, und Kapitän Si lässt den Reisschnaps kreisen. Gäste und Crew tragen sich gegenseitig Lieder aus der Heimat vor. Schließlich schweben Wunschballons mit Kerzenlicht in den Himmel. Die sanfte Art der Laoten lockt selbst die schüchternen Gäste aus der Reserve.

BESUCH IM BERGDORF

Auch tagsüber hält die „Mekong Pearl“ an Sandbänken. An einem Erdnussfeld steigen die Passagiere in kleine traditionelle Boote um und fahren einen Seitenarm des Mekong hinauf. Ein Fischer wirft seine Netze aus, die Vögel singen unbekannte Lieder. Wir legen im Dorf Ban Don Mixay an, was so viel heißt wie „Insel des großen Herzens“ .

40 Mon-Khmer-Familien leben hier, sie gehören zur ältesten Bevölkerungsgruppe des Landes. Das Leben in den Bergen ist ein einfaches, geprägt vom Glauben an Naturkräfte, Traditionen und Zusammenhalt. Wenn der Geist eines Verstorbenen seine Hütte nicht verlassen will, wird sie eben abgebaut und am Rand des Dorfes wiederaufgebaut. Wenige Tage später setzt Luang Prabang mit seinen goldglänzenden Tempeln einen Kontrapunkt. So beeindruckend die alte Königsstadt auch ist – am Abend sind alle Passagiere wieder an Bord, erfreuen sich am eleganten Tanz junger Laotinnen und lassen sich von deren leisen Stimmen für ihre Reisen segnen.

Foto: Peggy Günther

WUNSCH NACH MEHR

Unsere Jungfernfahrt an Bord der „Mekong Pearl“ endet bereits hier. Auf dem Weg zum Flughafen beneiden wir die ankommenden Passagiere, die noch mehr vom ursprünglichen Laos sehen werden. Und nicht wenige beschließen: Die weißen Bänder der Segnungszeremonie an den Handgelenken sollen von allein abfallen – vielleicht geht dann der Wunsch nach einer Rückkehr in Erfüllung.

Hauptbild: Ross Hillier