Lübecks idyllische Gänge und Höfe

Als »Mutter« der Hanse, die seit dem 12. Jahrhundert durch Freihandel weit über den Ostseeraum hinaus für Wohlstand sorgte, gilt Lübeck. Seinen Reichtum dokumentiert die gut erhaltene Altstadt mit den Kirchen, dem Rathaus oder dem Holstentor. Schattenseite dieses Reichtums war die Bevölkerungsexplosion, denn wegen der Insellage in der Trave war der Wohnraum knapp. Geschäftstüchtige Kaufleute und Hausbesitzer brachen daher schmale Gänge durch die Fronten ihrer Häuser und bauten winzige einstöckige, oft fensterlose »Buden« in ihre Hinterhöfe. Sie wurden an Bedienstete, Tagelöhner, kleine Handwerker und einfache Seeleute samt Familien vermietet  – rund 80 Prozent der Bevölkerung. So entstand ein Labyrinth von 180 idyllischen Gängen und Höfen, welches heute zum UNESCO-Welterbe Lübecks gehört. Sie alle strahlen eine bezaubernde Stille und Gelassenheit aus, sind zwar begehrter Wohnraum, aber tagsüber zugänglich. Eine Gängeführung würzt die Tour mit amüsanten Anekdoten, etwa zum »dunkelgrünen Gang«, wo »gediegene Menschen« wohnten, oder zum Kalandsgang, wo Frauen ganz professionell ihre Geschäfte abwickelten – nicht nur mit Seefahrern.